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Artikel im DATEV jurfix – Sind Sie On?

Dienstag, 22. Juni 2004 |  Autor:

Ich erlaube mir, folgenden Artikel, der in ähnlicher Form bereits in der DATEV jurfix September/Oktober 2003 erschienen ist, hier nochmal zu veröffentlichen. Der Orginalartikel ist hier als .pdf

Sind Sie On?

Ihr Kanzleiauftritt im Internet.

Die Zahl der Anwälte in Deutschland nimmt stetig zu. Umso wichtiger wird es, sich nicht nur in der Qualität der Rechtsberatung sondern auch im Kanzleimarketing von der Konkurrenz abzusetzen. Den „law firms“ mag es in erster Linie der Imagepflege dienen, für kleine und mittlere Kanzleien kann es DER Weg zur aktiven Mandantengewinnung sein – die Homepage ihrer Kanzlei im Internet.

Das Verbraucherverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Auf der Suche nach Dienstleistungsanbietern bedient sich der potentielle Mandant immer seltener klassischer Medien wie den Gelben Seiten. Die Unterscheidungskraft ist gering, alles „schwarz auf gelb“, nur durch Größe, Rahmen oder Position kann man sich hervorheben. Zur Kontaktaufnahme muss der Mandant in der Kanzlei anrufen – eine Hemmschwelle – und dann kennt er gerade mal die Stimme einer Mitarbeiterin. Einen Eindruck von der Kanzlei kann er sich damit nicht verschaffen, erst recht nicht von den Anwälten. Aber genau das erwartet der potentielle Kunde. Rechtsberatung ist eine sehr persönliche Sache. Da möchte man genau wissen, wem man sich anvertraut. Und hier setzt die Internetseite des Anwalts an. Sie bietet die Möglichkeit zur individuellen Vorstellung, sie kann Seriosität, Kompetenz, Vertrauen und Sympathie ausstrahlen und der Mandant kann sich einen ersten, wichtigen Eindruck machen, der ihn dann zum Telefon greifen lässt.

Die optische Gestaltung des Internetauftritts sollte ein Corporate Design erkennen lassen. Logos, einheitliche Schriftarten und Farben auf den Briefköpfen und der Internetseite erhöhen den Wiedererkennungswert für den Mandanten. Wichtiger ist jedoch ein aussagekräftiger Inhalt. Was muss die Internetseite enthalten? Der Rechtsanwalt, der eine Internetseite unterhält, ist Anbieter eines Informations- und Kommunikationsdienstes, der regelmäßig als Teledienst einzuordnen ist. Für diese Homepage ist daher insbesondere die neue Anbieterkennzeichnungspflicht nach § 6 TDG zu beachten. Danach sind die folgenden Informationen leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar zu halten: Der Name und die Anschrift des Dienstanbieters, Kontaktangaben inklusive der E-Mail-Adresse, Angaben zur zuständigen Aufsichtsbehörde, Handelsregister, Vereinsregister etc. nebst Registernummer und die Umsatzsteueridentifikationsnummer. Rechtsanwälte haben nach § 6 Nr. 5 TDG folgende zusätzliche Informationen zur Verfügung zustellen: Die Angabe der zuständigen Kammer, Angabe der Berufsbezeichnung, sowie den Staat, indem die Berufsbezeichnung verliehen worden ist und die Bezeichnung der berufsrechtlichen Regelungen und Angaben darüber, wie diese zugänglich sind. Die anzugebenden berufsrechtlichen Regelungen sind die BRAO, die BRAGO und die BORA. Hinsichtlich der Zugänglichkeit zu diesen Vorschriften genügt ein Link auf entsprechende Sammlungen im Internet wie z. B. auf die Internetseiten der BRAK unter www.brak.de.

Schwieriger hingegen ist die Frage, welchen Inhalt eine solche Homepage enthalten darf, da sie sich an den berufs- und wettbewerbsrechtlichen Vorgaben messen lassen muss. Ausgangsnorm des anwaltlichen Werberechts ist § 43b BRAO. Danach ist dem Rechtsanwalt Werbung nur erlaubt, soweit sie über die berufliche Tätigkeit in Form und Inhalt sachlich unterrichtet und nicht auf die Erteilung eines Auftrags im Einzelfall gerichtet ist. Diese Vorschrift ist, vor allem im Hinblick auf die Berufsfreiheit, verfassungskonform auszulegen.

Grundsätzlich unbedenklich sind sachliche Angaben zum Standort der Kanzlei einschließlich der Wegbeschreibung, Fotos des Büros, der Anwälte und Kanzleimitarbeiter, sowie Angaben über die technische Ausstattung der Kanzlei. Ebenso sind Angaben zu den Rechtsanwälten, wie Lebensläufe, Sprachkenntnisse, Mitgliedschaften in Berufsvereinigungen, Publikationen und vorher ausgeübte öffentliche Ämter unproblematisch. Auch persönliche Informationen wie z. B. das Hobby, Vereinsmitgliedschaften oder Ehrenämter können vor dem Hintergrund des Mandantenverhältnis als Vertrauensverhältnis eine berufsbezogene Relevanz haben und somit zulässig sein. Die Nennung von Mandanten als Referenz ist nur mit deren ausdrücklichen Einwilligung zulässig. Es können auch Hinweise zur Spezialisierung der Rechtsanwälte gegeben werden. Da die Kanzleihomepage mit einer Praxisbroschüre im Sinne von § 6 Abs. 2 Satz 1 BORA vergleichbar ist, sind weitere als die nach § 7 BORA erlaubten Hinweise zulässig. Die Rechtsanwälte müssen sich daher weder an die Formulierungen „Tätigkeitsschwerpunkte“ bzw. „Interessenschwerpunkte“ noch an die in § 7 BORA festgelegte Zahlengrenzen halten. Im Sinne einer effektiven und serviceorientierten Mandatsabwicklung ist auch die Möglichkeit des Downloads von Formularen zur Vollmachterteilung und Honorarvereinbarungen nicht zu beanstanden. Auch Werbeslogans sind zulässig, solange sie weder ein sensationelles reklamehaftes „Sich-Herausstellen“ zum Gegenstand haben, noch irreführend sind. Das BVerfG bewertete z. B. die Überschrift zu einer Wegskizze im Internet „So kommen Sie zu Ihrem Recht“ als nicht marktschreierisch und damit als zulässig.

Letztlich muss sich jede einzelne Werbemaßnahme daran messen lassen, ob sie dem aktiven Bemühen um ein konkretes Mandat dient und über das sachliche Informieren hinausgeht. Vorsicht geboten ist daher bei übertriebenen Selbstanpreisungen wie z. B. der Bezeichnung als „Top-Anwalt“, „Superkanzlei“ oder „Experte“ bzw. „Spezialist“ auf einem Rechtsgebiet. Auch die Werbung mit Erfolgsstatistiken oder Umsatzangaben ist gem. § 6 Abs. 3 BRAO unzulässig. Als übertriebenes Anlocken gelten die Veranstaltung von Gewinnspielen und Preisausschreiben auf der Homepage der Kanzlei, sowie die Werbung mit kostenlosen Dienstleistungen oder Rabatten auf das Honorar. Es ist dagegen zulässig, wenn die Möglichkeit angeboten wird, dass der Ratsuchende per Email kostenlos sein Problem darstellt und daraufhin einen Kostenvoranschlag vom Rechtsanwalt erhält. Denn durch diese Anfrage kommt noch kein Mandatsverhältnis zustande. Bei der kostenlosen Anfrage dürfen jedoch keine Angaben zur Rechtsschutzversicherung angefordert werden, da mit der Erteilung der Deckungszusage durch die Rechtsschutzversicherung ohne weiteres Tätigwerden des Interessenten eine Beratung erfolgt und dies gegen § 43b BRAO verstößt.

Die beste Homepage nutzt jedoch nichts, wenn sie keiner im WWW finden kann. Bedient sich der potentielle Mandant einer Suchmaschine wie z.B. Google, so kann man durch geeignete Metatags (versteckte Schlagworte, an denen sich die Suchmaschinen orientieren) für bessere Suchresultate sorgen. Bei der enormen Zahl an Internetseiten ist es jedoch schwierig auf die oberen Plätze der Suchmaschinen zu gelangen. Erfolgsversprechender ist die Eintragung der Kanzleihomepage in Anwaltslisten wie z.B. bei www.jura-lotse.de. Noch mehr Interessenten kann man durch Werbebanner und gezielte Links auf lokalen Internetseiten erreichen. Da es auch Anwälten erlaubten ist, Kultur- und Sportveranstaltungen zu sponsern, dürfen sie ihr Engagement als Sponsor auf deren Internetseiten durch Einblendung von Werberbannern zeigen. Ganz gezielt an Rechtsrat Suchende kann der Anwalt gelangen, indem er in Diskussionsforen wie z. B. bei www.123recht.net allgemeine Rechtsfragen beantwortet.

Müssen Sie die eingangs gestellte Frage noch mit „Nein“ beantworten? Dann lassen Sie sich ganz sicher eine hervorragende und immer wichtiger werdende Möglichkeit des erfolgreichen Marketings für ihre Kanzlei entgehen. Übrigens bietet Ihnen auch die DATEV einen professionellen Service zur Erstellung Ihrer Kanzleihomepage.

Rechtsreferendar
Michael C. Neubert
Mitarbeiter bei www.jansundkollegen.de in Bamberg

Ein noch viel umfangreicherer Artikel dazu ist hier zu finden:

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Thema: Allgemein

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