Gerade habe ich die Debatte bei Christiansen über den Rechtsextremismus im Osten verfolgt und frage mich, wie schlimm es eigentlich in meiner Heimatstadt Chemnitz ist. Gut, man weiß natürlich, dass Herr Holger Apfel mit seinen Schergen im Landtag sitzt, dass Herr Leichsenring in Königsstein große Unterstützung erhält und es die Skinheads Sächsische Schweiz gab oder gibt.
Aber wie sieht es in Chemnitz aus. Hier auf dem Kaßberg gibt es vielleicht ein paar Linke die in den noch wenigen unsanierten Häusern wohnen. Aber Rechte, denen man ihre Gesinnung deutlich ansieht, habe ich noch nicht gesehen. Wer weiß, wie es in anderen Stadtgebieten aussieht, in die ich eher weniger komme. Von rechtsextremistischen Übergriffen habe ich zumindest noch nichts in der Presse gelesen – ich lese aber auch nicht jeden Tag die Lokalzeitung.
Wahrscheinlich ist es auch hier eher der versteckte Rassismus. In Chemnitz leben eine “ganze Menge” Vietnamesen, die noch vor 1989 vorallem als Arbeiter für die Textilindustrie in die DDR geholt wurden. Die meisten haben sich wohl bestens integriert – zumindest ihre Kinder sprechen hervorragend Deutsch – sie betreiben Asia-Shops, in denen ich gerne einkaufe – haben viele Gemüsestände auf dem Markt und die typischen Stände mit seltsamen Oma-Strick-Klamotten. Ich hatte auch schon Vietnamesen als Mandanten – sehr angenehme Landsleute.
Aber selbst in meinem näheren Umfeld sprechen viele von den “Fidschis” – man war in Tcheschien auf dem “Fidschi-Markt” oder hat beim “Fidschi” eingekauft. Auch wenn alle dort einkaufen – ja, es ist eine deutlich abwertende Bezeichnung für die Vietnamesen – darauf angesprochen reagieren die meisten verständnislos – man begreift überhaupt nicht, dass sich jemand an dieser Bezeichnung stören könnte – erst recht wird nicht begriffen, dass dies schon rassistisch ist.
Und wer von den “Fidschis” spricht, der wehrt sich auch nicht aktiv gegen den Rassismus im Alltag – erst recht nicht gegen handreifliche rassistische Übergriffe.
Woran mag das liegen? Vielleicht daran, dass viele Ostdeutsche keine Ausländer kennen und noch nicht wirklich in der Position eines Ausländers im Ausland waren.
Die Ausländerquote im Osten ist wirklich sehr gering – viele Rassisten haben sicher noch nie mit einem gesprochen – viele dieser Extremisten sind sicher noch nie aus dem Osten rausgekommen – wahrscheinlich eines der größten Probleme im Osten. Diejenigen, die raus kommen, gehen entweder ganz und kommen nicht wieder oder sie gehen lediglich zum Arbeiten oder zum Lernen in den Westen. Ostdeutsche, die tatsächlich eine Weile im Westen gelebt haben, dort auch heimisch geworden sind und trotzdem wieder in ihre ehemalige Heimat gekommen sind, gibt es selten – viele fahren mit Vorurteilen hin und kommen mit Vorurteilen zurück – sie geben sich aber gar nicht die Chance diese Vorurteile abzubauen.
Und genauso verhält es sich mit der Beziehung zu Ausländern. Vorurteile, denen man keine Chance gibt, sie zu widerlegen.
Ich habe aber auch schon mehrere Austauschschüler in Sachsen betreut – unter anderem einen dunkelhäutigen Südafrikaner, der im Vogtland lebte – und keiner hat mir bislang von Ausländerfeinlichkeit ihm gegenüber berichtet.
Es gibt also noch Lichtblicke.
Es würde mich freuen, wenn die Kommentare für Erfahrungsberichte – egal welcher Richtung – genutzt werden!
Letzte Kommentare