Ethikrat definiert Sterbehilfe neu | MCNeubert lawblog

Ethikrat definiert Sterbehilfe neu

Freitag, 14. Juli 2006 |  Autor:

Der Nationale Ethikrat hat heute seine Stellungnahme zur Sterbebegleitung veröffentlicht.

Nach der Pressemitteilung möchte der Ethikrat Sterbehilfe neu definiert wissen. Die Begriffe aktive, passive und indirekte Sterbehilfe sollen durch Sterbebegleitung, Therapie am Lebensende, Sterbenlassen, Beihilfe zur Selbsttötung und Tötung auf Verlangen ersetzt werden.

Ansonsten scheinen sich die liberaleren Stimmen im Ethikrat durchgesetzt zu haben:

Zum Sterbenlassen gehört, dass jeder Patient das Recht hat, eine medizinische Maßnahme abzulehnen, auch dann, wenn diese Maßnahme sein Leben verlängern könnte. Gleiches gilt, wenn der Betroffene zu einer Erklärung außer Stande ist, seine Ablehnung aber hinreichend sicher aus einer Patientenverfügung oder sonstigen verlässlichen Anhaltspunkten zu entnehmen ist. Sofern es keine sicheren Erkenntnisse über den Willen des Patienten gibt oder ein solcher nicht gebildet werden konnte, sollte für strafrechtliche und berufsrechtliche Sanktionen kein Raum sein, wenn eine medizinische Behandlung unter Abwägung ihrer Aussichten auf Erfolg, des Leidenszustandes des Patienten und seiner voraussichtlichen Lebenserwartung nicht mehr angezeigt ist und sie deshalb unterlassen, begrenzt oder beendet wird. In Zweifelsfällen hat die Erhaltung des Lebens Vorrang.

Eine Mehrheit des Ethikrates sprach sich sogar für eine Straffreiheit von Ärzten und Angehörigen aus, die bei einem Suizidversuch nicht intervenieren.

Bestehen bei einem Suizidversuch eines schwer kranken Menschen klare Anhaltspunkte, dass der Versuch aufgrund eines ernsthaft bedachten Entschlusses erfolgt und dass der Betroffene jegliche Rettungsmaßnahme ablehnt, so sollen nach Auffassung der Mehrheit der Mitglieder des Nationalen Ethikrates Personen, die beispielsweise als Ärzte oder Angehörige eine besondere Einstandspflicht für den Suizidenten haben, von einer Intervention absehen dürfen, ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen.

Lediglich eine Minderheit des Ethikrates möchte dies Möglichkeit auf Situationen beschränken, in denen die schwere Krankheit absehbar zum baldigen Tod führen wird.

Selbst über die Beihilfe zum Suizid scheint im Ethikrat äußerst kontrovers diskutiert worden zu sein. Lediglich die gewinnorientierte Beihilfe zum Suizid wird einmütig abgelehnt.

Zumindest die Pressemitteilung überrascht (positiv) auf den ersten Blick – die umfangreichere Stellungnahme werde ich gleich noch lesen.

Tags »   , , «

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Allgemein

Diesen Beitrag kommentieren.

Kommentar abgeben

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre E-Mail-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von mir im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder sonst weitergegeben. Mehr hierzu in den Datenschutzhinweisen.