Schwach geworden | MCNeubert lawblog

Schwach geworden

Dienstag, 12. September 2006 |  Autor:

Ich streite schon seit längerem mit einem Mandanten um mein Honorar – 730,00 EUR, die seiner Meinung nach von seiner Rechtschutzversicherung zu tragen sind – ich habe alles versucht – keine Chance und die RSV scheint auch recht zu haben. Er meint, er müsse es nun mit einem anderen Anwalt versuchen, aber auch der erhält eine Ablehnung von der RSV. Ich habe dem Mandanten schon lange versucht zu erklären, dass die Abrechnung mit der RSV nun nicht mehr mein Problem sei und er zahlen soll – er vertröstet mich immer wieder und will vorbeikommen.
Heute eine letzte knappe sms an den Mandanten – er habe bis Freitag Zeit zur Zahlung, ansonsten wird eine Mahnbescheid beantrag. Keine 2 Minuten später ruft er zurück und verspricht am Nachmittag vorbeizukommen. Er kommt tatsächlich, aber feilscht um den Betrag. Wir bleiben beide hart und werden lauter – bis er 500,00 EUR aus der Tasche zieht – ich bestehe auf mehr und er legt noch 50,00 EUR drauf – da werde ich schwach und lasse ihm eine Quittung ausstellen.

Naja, nicht alles bekommen, aber wenigstens ein langwieriges Honorarverfahren erspart – und sofort nachdem wir uns einig waren, haben wir uns nochmals über den Fall unterhalten und er war plötzlich sogar wieder an meinem Rechtsrat interessiert. Eine freundliche Verabschiedung – vielleicht sehen wir uns nun doch mal wieder.

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Thema: Allgemein

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5 Kommentare

  1. 1
    Martin 

    Dann aber gleich was nettes vom Honorar kaufen, als Schmankerl, vielleicht einen Apple Mac Mini. 😉

  2. 2
    ixy 

    So was ähnliches hat mir mein Bauleiter bei unserem Hausbau auch gezeigt.
    Man hat beim Handwerker oder Lieferanten noch eine Summe x offen.

    Wenn der dann kommt und seinen Betrag haben möchte, diskutiert man erst ein bisschen und legt dann ungefähr die Hälfte des Betrages bar auf den Tisch mit dem Hinweis, dass er das sofort mitnehmen kann und gut ist’s. Nebenbei deutet man an, dass man nicht gewillt ist, die volle Summe zu zahlen und er damit vor Gericht ziehen soll. Letzteres dauert und kostet…
    In allen Fällen, in denen der Bauleiter mein Geld „gespart“ hat, hat das funktioniert.
    Wenn da 5000 bar auf dem Tisch liegen, wird so mancher schwach.

    Ist vielleicht nicht die feine englische Art, aber anscheinend weit verbreitet.

  3. Die Zahlungsmoral ist wirklich am Boden angelangt. Nicht nur bei dem RAs. Es gibt die Möglichkeit vorher, gerade bei Kunden die eine Rechtsschutzversicherung haben, abzuklären ob der Fall unter dem Versicherungsschutz fällt und nicht den Rechtsanwalt dafür büssen zu lassen. Ich bin damit aufgewachsen, dass ein Rechtsanwalt eine sogenannte Respektsperson ist und so sollte er auch behandelt werden.

  4. 4
    Stephan 

    Sehr geehrter Herr Neubert,

    ich lese jetzt seit ca. 1 Stunde einige Ihrer Beiträge – ich vermute dahinter inzwischen einen vernünftigen Menschen.

    Den Artikel hier würde ich wieder löschen – es muss ja nicht unbedingt eine Anleitung für zahlungsunwillige Mandanten im Netz stehen…. die Kollegen danken es ihnen – veröffnetlichen Sie sowas lieber in der Fachpresse- wär doch mal was für die NJW -wie wäre dort eine Rubrik „Neuberts Juristische Winke“ (in Anlehnung an ein altes Loriot Buch …) – die lesen die Spitzbuben doch hoffentlich seltener ?

    Steph

  5. Stimmt, es könnte Mandanten in Versuchung bringen genauso zu handeln, aber ich lösche nur ungern Beiträge. So frequentiert ist der Blog nun auch nicht, dass dies eine Anleitung für hunderte Mandanten von mir und von Kollegen sein könnte.

    Beste Grüße
    Michael

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