Kündigung bei Abbruch der Alkohol-Therapie? | MCNeubert lawblog

Kündigung bei Abbruch der Alkohol-Therapie?

Montag, 22. Januar 2007 |  Autor:

Mir stellt sich gerade die Frage, ob der Abbruch einer Alkoholtherapie eine personenbedingte Kündigung rechtfertigen kann.

Der Arbeitnehmer ist Alkoholiker – eine erste Therapie hat er komplett durchgehalten, wurde aber kurze Zeit später  rückfällig. Mit viel Überzeugung und Unterstützung durch den Arbeitgeber hat der Arbeitnehmer eine zweite Therapie begonnen. Diese hat er nach etwa der Hälft der Zeit selbst abgebrochen und möchte nun wieder arbeiten. Gleichzeitig wurde ihm von der Therapiestelle mitgeteilt, dass er aufgrund des Abbruchs nicht nochmal einen Therapieplatz erhält. Der Arbeitgeber hatte sich für die Zeit der Therapie eine Ersatzkraft eingestellt – befristet bis zum Ende der Therapie.

Reicht der Abbruch der Therapie schon aus, um eine negative Prognose erstellen zu können oder muss der Arbeitgeber für eine Kündigung warten, ob er wieder rückfällig wird? Durfte der Arbeitgeber darauf vertrauen, dass der Arbeitnehmer frühestens nach Ende der Therapie wieder kommt.

Zum Glück hat der Arbeitnehmer noch Resturlaub, den er erstmal nehmen muss – bleibt abzuwarten, ob er den Urlaub trocken übersteht.

Tags »   , «

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Allgemein

Diesen Beitrag kommentieren.

5 Kommentare

  1. Für ne krankheitsbedingte Kü des ArbVerh dürfte der Rückfall/Therapieabbruch nicht reichen. Das ist jedenfalls meine Einschätzung. Aber ich bin nicht das BAG. Frage: Birgt der Arbeitnehmer in Zukunft das hohe Risikos des Anfalls erheblicher AUZeiten? Es mag ja Jobs geben, in denen gehört ein bisserl Alki zum Normalen. Und: Gibt es ein spezifisches, auch rechtswirksames Alkoholverbot am Arbeitsplatz (Betriebsratszustimmung, Betr.Vereinbarung?)? Is insgesamt ne komplexe Angelegenheit, müßte man mal ausführlich diskutieren und bedenken.
    ra maximilian schmitz, Fachanwalt für Arbeitsrecht

  2. ich mag mich dunkel an meine Arbeitsrechtsexamensvorbereitungen erinnern:

    vor Therapie Trunksucht = Krankheit, also personenbedingt
    nach Therapie Trunksucht = verhaltensbedingt.

    Bin mir aber nciht sicher

  3. Ich bin nunmehr der Ansicht, dass der Abbruch der Therapie alleine noch keinen Kündigungsgrund darstellt – weder personenbedingt noch verhaltensbedingt.
    Der Arbeitnehmer konnte ein Schreiben der Therapierstelle vorlegen, wonach ihm sofortige arbeitsfähigkeit attestiert wurde – trotz Abbruch der Therapie auf eigenen Wunsch.
    Wer weiß, vielleicht bleibt er ja wirklich trocken und kann erfolgreich weiterarbeiten.
    Im Übrigen gibt es ein rechtswirksames Alkoholverbot am Arbeitsplatz und an einer Maschine gehört auch „ein bisserl Alki“ nicht zum Normalen. Noch dazu gibt es für einen Alkoholiker in der Regel nicht „ein bisserl Alki“ sondern entweder ganz ohne oder richtig Kante.

    Ein Rückfall wäre aber ein wirksamer Kündigungsgrund – jedenfalls für eine fristgerechte Kündigung.

    Und meiner Meinung nach konnte der AG auch darauf vertrauen, dass die Therapie beendet wird und sich eine Ersatzkraft zeitlich befristet bis zum Ende der Therapie einstellen. Wir wollten es aber dann nicht darauf ankommen lassen und den AN erst nach nach reglulärem Ende der Therapie wieder beschäftigen – der AG konnte einen Arbeitsplatz schaffen.

  4. Kurze Info zum aktuellen Stand:

    Der Arbeitnehmer hat zunächst auf einem niedriger bezahlten Arbeitsplatz gearbeitet, weil für Ihn und die Dauer seiner Therapie ein neuer Arbeitnehmer befristet eingestellt wurde.
    Bis jetzt ist der Alkoholiker trocken geblieben und arbeitet wieder auf seinem alten Arbeitsplatz.
    Die ganze Mühe für Arbeitnehmer und Arbeitgeber hat sich also gelohnt.

    Bleibt zu hoffen, dass er es auch weiter durchhält und trocken bleibt.

  5. 5
    Andrea 

    Hallo Herr Neubert,

    ich weis gar nicht ob ich hier richtig bin, ich habe eine Frage, ich arbeite in einem Call Center im Outboundbereich, jetzt möchte ich gern einen Aufhebungsvertrag machen da ich einen neuen Job antreten kann, es ist aber noch eine Provision offen, die ich eigentlich erst ausbezahlt bekomme ( nach Absprache) wenn die Kurse gelaufen sind. Wenn ich jetzt den Aufhebungsvertrage mache habe ich dann noch einen Anspruch auf die Prov. oder ist sie dann weg. In meinem Vertrag steht allerding nicht das die Auszahlung der Prov. erst mit Ablauf der Kurse bezahlt wird. Und muss ich noch was beachten?

    Gr. Andrea

Kommentar abgeben

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre E-Mail-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von mir im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die E-Mail-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder sonst weitergegeben. Mehr hierzu in den Datenschutzhinweisen.