Suizid angekündigt
Donnerstag, 26. Juni 2008 | Autor: Michael C. Neubert
Die Schuldnerin einer Mandantin ruft bei uns an und teilt mit, sie wolle noch ihre Schulden begleichen, bevor “sie geht”. Wir teilen ihr den aktuellen Forderungsstand mit und sie verspricht schnellstmöglich zu zahlen. Heute ruft sie nochmals an und teilt mit, dass sie derzeit nur 3/4 des Betrages aufbringen könne, aber uns noch eine Lebensversicherung als Pfand anbietet. Als ich sie in ein Gespräch verwickle fängt sie an zu weinen und erzählt, dass sie doch in dem Haus, für welches auf unser Betreiben in knapp zwei Monaten der erste Zwangsversteigerungstermin angesetzt ist, geboren wurde und nicht mehr wüsste, wo sie hin soll, wenn sie dort ausziehen muss. Dann würde sie sich lieber umbringen. In der Tat sehr tragisch.
Ich frag mich nur, warum sie jetzt erst anruft und sich nicht bereits zuvor gemeldet hat. Wir haben die einstweilige Einstellung des Zwangsversteigerungsverfahrens zweimal bewilligt, weil sie Raten zahlen wollte – nur eine ist gekommen – wir fühlten uns also etwas verschaukelt. Auf meine zahlreichen Briefe hat sie praktisch auch nicht reagiert.
Darauf angesprochen erklärt sie: “Ja wissen Sie, als ich gehört habe, dass der Termin jetzt öffentlich aushängt und mich Nachbarn im Dorf darauf angesprochen haben, da habe ich gemerkt, dass es jetzt ernst wird. Außerdem will jetzt einer meiner Nachbarn das Grundstück ersteigern.”
Ich habe ihr versprochen, dass ich mich für eine Einstellung des Verfahrens stark mache, wenn die Versprochene Zahlung kommt, auch wenn es letztlich nicht meine Entscheidung ist, sondern die der Gläubigerin. Ich hatte aber das Gefühl, dass sie schon wieder etwas zuversichtlicher war und von ihrem Plan hoffentlich Abstand nimmt.
Nachtrag:
Sie lebt noch und hat die Schulden VOLLSTÄNDIG beglichen. Am wichtigsten war ihr dann auch, dass ich ihr meinen Antrag auf Einstellung des Verfahrens sofort übergebe, damit sie damit bei der Gemeinde die Entfernung des öffentlichen Aushangs durchsetzen kann – viel Erfolg.
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